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Welche Beziehungen hatte der spätromantische Dichter Joseph Freiherr von Eichendorff zur Stadt Wangen im Allgäu?

Bis 1950 gab es keine. In diesem Jahr ist hier der „Wangener Kreis“, Gesellschaft für Literatur und Kunst „Der Osten“ gegründet worden.

Dessen Vorstand beschloss die Errichtung einer „Schlesischen Künstlersiedlung“ als Heimstatt vertriebener schlesischer Schriftsteller und Künstler auf dem Atzenberg in Wangen. In dieser Siedlung sollten auch Dichter- und Literatur-Archive entstehen.

Geblieben ist das Gustav-Freytag-Museum und -Archiv sowie das neue Deutsche Eichendorff-Museum. Letzteres wurde in Nachfolge der 1945 zerstörten Gedenkstätte im Sterbehaus des Dichters Joseph Freiherr von Eichendorff in Neiße vom Literatur-Forscher und Schriftsteller Willibald Köhler aufgebaut.

Er wurde dabei unterstützt vor allem von der Stiftung Kulturwerk Schlesien und der Eichendorff-Gesellschaft, von Bund, Land, Landkreis Wangen und der Stadt Wangen.

Teils von Stiftern, teils aus Ankäufen stammen Handschriften, Erstausgaben, Bilder und Stiche, die nicht nur an den Dichter des „Taugenichts“, sondern an die Zeit der Romantik erinnern.

 

Was bietet das Freiherr von Eichendorff-Museum?

Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff wurde am 10.03.1788 auf Schloß Lubowitz bei Ratibor/Oberschlesien geboren und starb am 26.11.1857 in Neiße/Oberschlesien.

Vor den Museumsräumen informiert eine große Zeittafel über die interessantesten Ereignisse im Leben Eichendorffs. Sie finden hier u. a. Merianstiche von Städten, die der Dichter besucht hatte, sowie Bilder mit dem Geburtsschloß Lubowitz, dem Sterbehaus in Neiße und kolorierte Radierungen von Prof. Fuchs zu dem Roman „ Dichter und Gesellen“.

Die beiden Museumsräume wollen durch ihre Einrichtung etwas vom damaligen Zeitgeist vermitteln. Im Mobiliar aus der Zeit werden die wertvollsten Museumsstücke wie Briefe und Erstausgaben Eichendorffs und seiner Zeitgeossen u. a. Achim von Arnim, Clemens Brentano, Ludwig Tieck, Adalbert von Chamisso, Joseph Görres, Friedrich Schlegel, Friedrich Hölderlin, Heinrich Heine, Jean Paul, Eduad Möricke, Novalis, Gebrüder Grimm, Hauff, Hebel und Ludwig Uhland gezeigt.

Neben den gesammelten Werken werden auch Frauen-Taschenbücher mit Erstlingswerken junger Dichter, sowie Medaillen und Plaketten, die an Echendorff-Gedenktage erinnern, ausgestellt.

Besucher finden hier den Stammbaum der Familie, Portraits bekannter Dichter und eine Bronzebüste des Dichters Walter Timm.

Im Archivraum, der nur im Rahmen von Führungen zugänglich ist, entfaltet sich der ganze Reichtum ostdeutscher Literatur und Geisteshaltung. 1988 wurde eine Abteilung eingerichtet, die der Präsentation der Eichendorff-Literaturpreisträger gewidmet ist.

Dieser Literaturpreis wird seit 1956 regelmäßig vom „Wangener Kreis“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Wangener_Kreis) an Schriftsteller verliehen, die vorwiegend aus dem deutschsprechenden Osten stammen, deren Werke der literarischen Tradition dieser Kulturlandschaft verbunden sind, die im Sinne Eichendorffs Gewesenes nicht verloren geben und in der Vergegenwärtigung jüngster Vergangenheit und durch Reflexion über Zeitereignisse ethische Maßstäbe setzen.

Ein Notenarchiv mit Tonträgern umfaßt alle zeitgenössischen und späteren Vertonungen Eichendorffscher Gedichte. Berühmte Namen wie Mendelsohn-Bartholdy, Johannes Brahms, Hugo Wolf und Max Reger finden sich unter den Komponisten. „Wem Gott will rechte Gunst erweisen“ ist zu einem unsterblichen Volkslied geworden.